Selbstverständnis

deconstruct reality

Wir sind eine antinationale Antifagruppe aus München.

Wir setzen uns in Theorie und Praxis kritisch, antiautoritär und radikal-emanzipatorisch mit der herrschenden Realität auseinander und treten aktiv für eine bessere Gesellschaft jenseits von Staat, Nation und Kapital ein.

Selbstverständnis der Gruppe de|con|struct reality

FREI ZU SEIN

Wir leben in einer Zeit zerstörter Illusionen. Der Traum, die herrschenden Verhältnisse mittels einer baldigen Revolution zu überwinden hat sich ebenso zerschlagen, wie die Hoffnung, dass Staat und Kapitalismus in naher Zukunft einmal selbst in sich zusammenbrechen werden. Die radikale Linke befindet sich an einem Punkt der Zersplitterung innerhalb ihrer eigenen Marginalität und in einem Ohnmachtsgefühl angesichts  übermächtiger Gegner*innen.

deconstruct reality!

Währenddessen leben wir in einer Welt, die geprägt ist von Herrschaft. An den wenigsten Stellen in unserem Alltag können wir wirklich selbst entscheiden, wie wir leben wollen. Der bürgerliche Staat als Form gesellschaftlicher Herrschaft gewährt seinen Bürgern*innen genau die Freiheit, die nötig ist, um im kapitalistischen Ganzen mitspielen zu können. Alle ­weitergehenden Freiheiten sind Errungenschaften aus vergangenen Kämpfen und Zugeständnisse um die Gesellschaft zu befrieden und das System zu erhalten.
Dennoch behauptet die Apologeten des Kapitalismus, die „soziale Marktwirtschaft“ brächte uns die größtmögliche individuelle Freiheit. Dass diese „Freiheit“ jedoch nur diejenigen besitzen, die willens und in der Lage sind, sich den allgegenwärtigen Gesetzen von Konkurrenz und  Leistungszwang anzupassen wird dabei verschwiegen. Die Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise und der Eigentumslogik, auf welcher sie basiert, ist demnach eine grundlegende Voraussetzung für soziale Gleichheit und tatsächliche Freiheit. Antikapitalismus bedeutet für uns nicht, einfach einzelne Akteur_innen im kapitalistischen Ganzen zu bekämpfen oder gar eine Verschwörung wirtschaftlicher und politischer „Eliten“ gegen das ausgebeutete und betrogene „Volk“ zu wittern. Solche Welterklärungsversuche sind nicht nur grundlegend falsch und in der Konsequenz meistens antisemitisch, sie stehen einer radikalen und progressiven Kapitalismuskritik auch schlicht im Weg.
Doch neben der Bedingung, für den Markt verwertbar zu sein, sieht sich mensch in dieser Gesellschaft mit einer ganzen Reihe weiteren Zwängen und Normen konfrontiert. Diese müssen erfüllt werden, um nicht ausgegrenzt, diskriminiert und benachteiligt zu werden, durch den Staat oder durch die bürgerliche Gesellschaft und ihre reaktionärsten Auswüchse. Der Zwang sich als männlich oder weiblich zu definieren und nicht von der heterosexuellen Norm abzuweichen, diskriminiert, marginalisiert oder pathologisiert all diejenigen, die nicht in dieses Schema passen oder passen wollen. Durch entweder männliche oder weibliche Konnotation von Eigenschaften und Verhaltensweisen werden Genderrollen konstruiert und reproduziert, denen es sich anzupassen gilt. Das geschieht stets unter Vorherrschaft hegemonialer Männlichkeit. Die patriarchalen Strukturen, die sich daraus ergeben, durchziehen nicht nur die bürgerliche Gesellschaft – auch die linke Szene ist alles andere als frei von Sexismus.
Auch die Kategorien Volk und Nation, als Zielobjekte kollektiver Identität stellen für uns Konstrukte dar, die einer befreiten Gesellschaft im Wege stehen. Wir verstehen uns als antinational und kämpfen für eine Welt ohne Grenzen und Nationen in der völkische, rassistische und nationalistische Ideologien keinen Platz haben.
Trotzdem ist dieser ganze Mist Teil des alltäglichen Wahnsinns, in dem wir leben und wir sind Tag für Tag mit ihm konfrontiert. Die Gruppe de|con|struct reality will genau aus diesen Widersprüchen heraus die Verhältnisse als solche analysieren und dekonstruieren. Wir verstehen uns als Teil einer Neuen Linken, die sich von verkrusteten autoritären Konzepten des orthodoxen Marxismus und Realsozialismus loslösen und als libertäre, antinationale Strömung den Traum von einer Gesellschaft jenseits von Staat, Nation und Kapitalismus leben will.

destruct this reality!

Unser Ziel kann dabei kein schönerer, besserer oder humanerer Kapitalismus, kein sozialerer, demokratischerer oder “transparenterer“ Staat sein, sondern gar keiner. Es kann niemals unser alleiniger Anspruch sein, die gesellschaftliche Realität ein bisschen weniger beschissen zu machen – für uns kann Freiheit nur gegen Autorität erkämpft werden, nie mit ihr. Wer versucht fundamentale Änderungen durch Reformen zu erreichen, wird  letztlich vom System vereinnahmt und deswegen scheitern. Wir wollen versuchen, diese Grenzen zu sprengen und der kapitalistischen Realität unsere Utopie einer befreiten Gesellschaft entgegensetzen. „Antirealistische“ Politik im besten Sinne heißt dabei, dem immer wieder eingeforderten „Realismus“ die Utopie eines völlig Neuen, Besserern gegenüberzustellen. Wir wollen den Versuch wagen, Perspektiven für diejenigen zu öffnen, die von einer besseren Welt träumen und mit denen brechen, die nur das Machbare erreichen wollen und Opportunismus über ihre eigenen Ideale stellen.

construct a new reality!

Der Weg in eine befreite Gesellschaft fängt im Leben jedes*r Einzelnen an – im Alltag, in Diskussionen mit Anderen, immer da wo wir uns gegen Dinge zur Wehr setzen, die uns stören, in Politgruppen, in der Schule oder Uni, in der Arbeit oder am Küchentisch. Politik findet nicht nur einmal in der Woche im Antifaplenum statt, sondern immer da, wo Menschen anfangen gesellschaftliche Verhältnisse kritisch zu hinterfragen, zu kritisieren oder anzugreifen.
Trotzdem bleibt für uns organisierte Intervention gegen die allgemeine Scheiße immer noch mehr als notwendig. Wir sind der Meinung, dass wir am besten als Zusammenhang von Individuen eine Dynamik entwickeln können, aus der eine konsequente linksradikale Theorie und Praxis entstehen kann. Das heißt, wir wollen das Bestehende  analysieren und kritisieren und bei permanenter Reflexion in die Praxis, die politische Arbeit, umsetzen. „Theorie ohne Praxis ist leer, Praxis ohne Theorie ist blind.“ Um die Gesellschaft, so wie sie ist, angreifen zu können, brauchen wir eine tiefgreifende, kritische Analyse derselben.
Deshalb haben wir uns zusammengefunden, um die Realität, wie wir sie im Alltag erleben, in Theorie und Praxis anzugreifen. Wir kommen aus unterschiedlichen linksradikalen Strömungen, was uns jedoch verbindet ist unsere Verachtung gegenüber Herrschaft und Ausbeutung, weshalb wir zusammen versuchen, in der Schickimicki- und Bullenmetropole München widerständig zu leben, zu kämpfen, zu handeln und emanzipatorische Politik zu betreiben.
Unsere Solidarität gilt all jenen, die mit uns für ähnliche Dinge streiten, und Wesentliches von dem was wir sagen, teilen.
Unser Hass richtet sich hingegen an all die Institutionen, die die herrschenden Verhältnisse aktiv stützen – wie den Polizei-, Justiz- und Politapparat. Unser Ziel bleibt es, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ Wir wollen eine Gesellschaft, in der „jede*r nach dessen Fähigkeiten, und jede*r nach dessen Bedürfnissen“ leben kann.

Gegen die Realität!
Für eine Welt jenseits von Staat, Nation, Kapital und Patriarchat!
Für ein Leben ohne Angst!

Für die befreite Gesellschaft!

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